Zurück an Bord der MERIDIAN: Logbuchnotizen über eine Flotte ohne gemeinsames Fundament, ein wachsendes schwarzes Loch und eine Deadline, die ihren Namen diesmal wirklich verdient.
Vom Kommandotisch ins Shuttle: Die Kraft des Perspektivwechsels
Auf dem großen Kommandotisch der MERIDIAN liegen vier Schiffspläne nebeneinander. Jeder beschreibt das Konzept eines Schutzschirms – allerdings alle mit unterschiedlichen Basisdaten. Das schwarze Loch am Rand von Proxima-Vier hat inzwischen weiter an Masse gewonnen und die aktuelle Prognose bis zur Vernichtung dieses Orbits blinkt unbarmherzig über dem Hauptschirm: Noch sechs Tage und elf Stunden.
Fabian tippt mit dem Stift auf die Karten. „Wir müssen so schnell wie möglich herausfinden, warum jede Crew so arbeitet, wie sie arbeitet.“
Varek blickt auf. „Sie schlagen Ortsbesuche vor?“
„Ganz genau. Manchmal braucht es einen Blick von außen, um zu erkennen, was von innen niemandem mehr auffällt.“
Wenig später löst sich ein kleines Shuttle von der MERIDIAN und steuert auf die AURORA zu. An Bord: Varek, Fabian, Ilim und der kleine Roboter N3RV (der sich der Reisegruppe einfach angeschlossen hat, ohne vorher zu fragen).

Die AURORA – zu Besuch auf einer Best-Case-Kommandobrücke
Captain Levaro wartet schon an der Schleuse der AURORA. „Willkommen! Kommt an Bord!“
Er schüttelt Fabian so herzlich die Hand, dass N3RV erschrocken einen halben Meter zurückrollt und vorsichtshalber einen Abstandshalter aktiviert.
„Die Unterlagen liegen bereit: Besatzungsinformationen, Schichten, Rollen, Vertretungen, Schnittstellen, Kaffee und Kekse.“
Wenige Minuten später sitzen alle am Besprechungstisch. Sogar N3RV bekommt eine Tasse hingestellt, die er höflich ignoriert.
„Captain, wer pflegt bei Ihnen die Stammdaten?“, fragt Ilim.
„Drei Crew-Mitglieder“, antwortet Levaro mit sichtbarem Stolz. „Maya hat uns letztes Jahr gefragt, was passiert, wenn einer ausfällt. Da haben wir beschlossen, das lieber nicht herauszufinden.“
Ilim nickt anerkennend. „Die Vertretung ist also geregelt.“
Tatsächlich ist auch alles perfekt vorbereitet: Die Besatzungsliste ist aktuell. Jede Rolle an Bord hat einen Namen, jeder Name ein Eintrittsdatum. Als Ilim nach den Schichtzuordnungen fragt, liegen sie zwei Minuten später auf dem Tisch – farbig markiert, mit Notfallplan.
Anschließend lässt Ilim die AURORA einen Testimpuls in den Schutzschirm geben. Keine fünf Sekunden später erscheinen sämtliche Werte auf dem Hauptschirm der MERIDIAN.
N3RV rollt zur Konsole. „Vollständige Daten. Konsistente Struktur. Nachvollziehbare Verantwortlichkeiten. Der Schutzschirm kann diese Daten ohne zusätzliche Anpassungen verarbeiten.“
Varek nickt Levaro zu. „Vielen Dank für diese Vorbereitung, Captain. Sie ersparen uns damit vermutlich zwei Tage Arbeit.“
Beim Abschied klopft Levaro Fabian auf die Schulter. „Richten Sie Maya Bex bitte aus, dass die Ewoks aus dem Maschinenraum inzwischen ordentlich in der Besatzungsliste stehen.“
Im Shuttle wirft Varek noch einen letzten Blick auf die AURORA. „Das war deutlich unkomplizierter, als ich erwartet hatte. Leider habe ich keinen Grund anzunehmen, dass die anderen Schiffe auch so umfassend vorbereitet sind.“
Ilim seufzt. „Wenn alle so wären, hätten Sie uns nicht gebraucht.“
Die SELUNA und die gefährlichste Singularität an Bord
Auf der SELUNA riecht es nach Maschinenöl, Papier und einer Prise Improvisation. Die Erste Offizierin begrüßt die Besucher freundlich an der Schleuse.
„Captain Sorrel lässt sich entschuldigen. Er ist beim Zahnarzt auf Kallixa-9. Es war der einzige Termin in diesem Quartal.“
Am Kartentisch breitet sie einen großformatigen Mondkalender aus. Varek betrachtet das Konstrukt aus konzentrischen Kreisen, die von Zahlen, Pfeilen und roten Anmerkungen überlagert sind. „Das erscheint mir ausgesprochen komplex.“
„Nur am Anfang“, antwortet die Erste Offizierin. „Nach drei oder vier Jahren findet man sich rein.“
Ilim beugt sich über den Kalender. „Wie funktioniert Ihre Schichtplanung?“

Die Erste Offizierin fährt mit dem Finger über mehrere Kreise. „Wir orientieren uns an den Umläufen dieser beiden Monde. Dadurch verschieben sich einige Schichten jedes Jahr leicht. Morgens rechne ich alles in das Standardformat der Flotte um und übertrage die Werte anschließend in den Schutzschirm.“
„Und das machen Sie jeden Tag? Händisch?“, fragt Ilim bestürzt.
„Jeden einzelnen Tag.“
„Aber wer übernimmt Ihre Aufgaben, wenn Sie Urlaub haben?“
„Naja, den verschiebe ich meistens.“
„Und wenn Sie krank werden?“
„Das ist in den letzten vier Jahren nicht passiert.“
„Aha.“ Ilim schreibt eine weitere Zeile in sein Tablet: Kritische Abhängigkeit von einer Einzelperson. „Wie viele Crew-Mitglieder sind aktuell in ihrem System registriert?“
„Vierundzwanzig.“ Die Erste Offizierin blättert in ihren Listen. „Aber eigentlich arbeiten nur achtzehn an Bord.“
Varek hakt ein. „Wo sind die übrigen sechs?“
„Die sind irgendwann ausgeschieden. Vier sind versetzt worden, einer ist in Rente, und einer wurde auf Kessari-Prime von einem Sandwurm gefressen. Tragische Geschichte. Wir sind bisher noch nicht dazu gekommen, diese Informationen zu aktualisieren.“
Varek seufzt leise. „Dann rechnet der Schutzschirm mit sechs Crew-Mitgliedern, die im Ernstfall nicht mehr an ihren Stationen sitzen.“
N3RV rollt langsam an den Kalender heran. Seine Anzeige leuchtet schwach. „Das erscheint mir insgesamt eine ausgesprochen mutige Systemarchitektur zu sein.“
Fabian lehnt sich leicht vor. „Als erstes bringen wir die Umrechnung ins System und verteilen das Wissen auf mehrere Schultern. Dann ist die SELUNA nicht länger von einer einzigen Person abhängig.“
Die Erste Offizierin lächelt erleichtert. „Das würde uns sehr helfen. Und ich könnte endlich in den Urlaub fahren.“
Die BUTHARA und die Geister vergangener Systeme
Das System des nächsten Schiffs – der BUTHARA – macht auf den ersten Blick einen ordentlichen Eindruck: Holografische Anzeigen schweben über den Konsolen, Bildschirme reagieren auf jedes Wischen, und selbst N3RV rollt eine Runde durch den Raum, ohne etwas zu bemängeln.
„In die Ausstattung der Brücke investieren wir regelmäßig“, verkündet der Captain stolz. „Die Crew soll schließlich gern hier arbeiten.“
Fabian nickt anerkennend. „Wenn ihr System auch so modern ist, kann es problemlos an den Schutzschirm angebunden werden. Wir bräuchten dafür nur einen Blick auf Ihre Personaldaten.“
„Natürlich.“
Der Captain tippt auf eine Konsole. Nichts passiert. Er tippt noch einmal. Ein Bildschirm flackert, ein zweiter bleibt schwarz. Schließlich ploppt ein Fenster auf, und nach ein paar Sekunden erscheint eine Oberfläche, die eher in ein Technikmuseum als auf ein modernes Raumschiff passt.
Varek runzelt die Stirn. „Das ist Ihre aktuelle Personalsoftware?“
„Ja, seit achtzehn Jahren.“
Fabian hebt überrascht die Augenbrauen. „Und dieses System wird noch unterstützt?“
Der Captain räuspert sich. „Offiziell eigentlich nicht.“
Ilim tritt näher. „Wie exportieren Sie Ihre Personaldaten?“
Der Captain zeigt auf einen kleinen Knopf. „Hier.“
Ein Ladebalken erscheint. Dann friert das Programm ein. Alle warten. Nach einer quälend langen Pause läuft es weiter. Schließlich landet eine Datei mit kryptischen Kürzeln und leeren Spalten auf dem Desktop.
„Gibt es dafür eine Dokumentation?“, fragt Ilim vorsichtig.
Der Captain schüttelt zerknirscht den Kopf. „Nicht, dass ich wüsste.“
N3RV scannt den Monitor und gibt trocken von sich: „Dieses System erfüllt im Gegensatz zur Ausstattung dieser Brücke sämtliche Kriterien einer archäologischen Ausgrabungsstätte.“

Der Captain lacht verlegen. „Da ist was dran. Ehrlich gesagt hat sich seit Jahren niemand mehr getraut, das Thema anzusprechen.“
Ilim betrachtet die Datei mit den leeren Spalten. „Wir kommen wieder, sobald die SELUNA steht. Bis dahin: Schalten Sie bitte nichts ab und löschen Sie nichts.“
„Warum nicht?“
„Weil wir erst herausfinden müssen, was hier eigentlich gebraucht wird und was nicht.“
Die KETHRA und der schwierigste Teil jeder Transformation
Dass sich die kleine Reisegruppe die KETHRA bis zum Schluss aufgehoben hat, war offiziell eine Frage der Flugroute. Vorahnungen gelten im vulkanischen Dienstverkehr nämlich nicht als zulässige Planungsgrundlage, was allerdings nichts daran ändert, dass sie meistens recht behalten. Auf dem letzten Schiff werden Varek und seine Begleitung anders empfangen als bisher. Nämlich gar nicht.
„Commander, die KETHRA bestätigt unsere Andockanfrage nicht“, meldet N3RV.
„Vielleicht ist die Kommunikation gestört?“, vermutet Fabian.
„Unwahrscheinlich“, sagt N3RV. „Unsere Nachricht wurde vor drei Minuten gelesen.“
Nach einer gefühlten Ewigkeit entriegelt sich endlich die Schleuse. Auf der Kommandobrücke wartet Captain Orrek mit verschränkten Armen und einer Miene, gegen die das schwarze Loch geradezu einladend wirkt.
„Ihr seid also die, die aus uns allen einen galaktischen Einheitsbrei machen wollen!“, poltert er zur Begrüßung.
Fabian setzt zu einer diplomatischen Erklärung an. „Wir möchten in erster Linie gemeinsam dafür sorgen, dass …“
Orrek unterbricht ihn: „… wir unsere Abläufe ändern und anschließend erklärt bekommen, warum das alles zu unserem Besten ist?“
„So würde ich es nicht formulieren“, antwortet Fabian behutsam.
„Ich schon.“ Orrek deutet auf die Brücke. „Seit vierunddreißig Jahren fliegt dieses Schiff zuverlässig durch die Galaxis. Wir haben Krisen überstanden, Systemausfälle bewältigt und jede Mission erfüllt. Und jetzt kommt ihr und behauptet, bei uns sei alles falsch?“
„Das behauptet doch niemand“, schaltet sich Varek ein.
„Es fängt doch immer gleich an“, schimpft Orrek. „Große Versprechen, alles wird einfacher. Und am Ende? Mehr Formulare, mehr Vorgaben, weniger Zeit für das, was zählt.“
Fabian tritt einen Schritt näher. „Captain, darf ich Ihnen eine Frage stellen?“
Orrek mustert den Erdling misstrauisch und nickt dann widerwillig.
„Was ist beim letzten Projekt passiert?“
Orreks Miene verändert sich. Er sieht plötzlich sehr müde aus. „Man hat Entscheidungen über unsere Köpfe hinweg getroffen. Niemand hat gefragt, wie wir arbeiten. Niemand wollte verstehen, warum wir bestimmte Abläufe gewählt haben. Stattdessen bekamen wir neue Prozesse, die auf dem Papier fantastisch aussahen, aber nicht zu unserem Alltag passten.“
Fabian nickt langsam. „Dann verstehe ich Ihre Skepsis.“
Zum ersten Mal entspannt sich Orreks Haltung ein wenig.
N3RV beobachtet die Szene mit blinkender Anzeige. „Fürs Protokoll: Hier zeichnet sich ein konstruktives Gespräch ab. Und es ging bisher noch um kein technisches Problem.“
Orrek sieht N3RV an und verzieht kurz den Mundwinkel. Dann verschwindet dieser Hauch eines Lächelns wieder. „Wenn Sie glauben, dass meine Crew ihre Arbeitsweise nach einem einzigen Gespräch ändert, unterschätzen Sie mich und meine Mannschaft. Verstanden?“
In diesem Moment knistert Navaras Stimme auf Vareks Funkgerät. „Commander, es gibt eine neue Prognose. Das schwarze Loch gewinnt überproportional schnell an Masse. Wir haben plötzlich nur noch fünf Tage und achtzehn Stunden.“
Für einen Moment herrscht betretenes Schweigen auf der Brücke der KETHRA.
One HR – Vielfalt im Kern, Klarheit im System
Die Frage, die bei der zukünftigen Flotte – vor allem auf der KETHRA – gerade für Unruhe sorgt, kennt jedes Unternehmen aus HR-Projekten mit mehreren Standorten oder Gesellschaften: Muss jetzt wirklich alles vereinheitlicht werden?
Die Antwort darauf lautet: Nein. „One HR“ bedeutet nicht, dass München und Singapur ab morgen identisch ticken müssen. Es bedeutet, dass beide auf demselben Datenmodell aufsetzen. Standardfelder wie Name, Rolle, Standort, Eintrittsdatum und Vertragsart bilden das solide Fundament. Genau darauf greifen Payroll, Zeitwirtschaft und Reporting später zu.
Darüber hinaus sorgen Country-Specific Fields dafür, dass alles, was Gesetz, Tarif oder lokale Praxis verlangen, sauber abgebildet wird. Ein deutscher Feiertagskalender, eine französische Meldepflicht, eine Sozialversicherungsnummer im landeseigenen Format: alles hat seinen Platz, ohne das System zu verstopfen.
Was in der Praxis über Erfolg oder Ärger entscheidet:
- Der Kern wird bewusst festgelegt, nicht einfach vom größten Standort übernommen.
- Lokale Besonderheiten müssen dokumentiert werden.
- Übersetzungen zwischen Formaten gehören ins System, nicht in den Kopf eines Mitarbeitenden.
- Selbstgebaute Zwischenlösungen sind teurer, als sie von außen aussehen.
- Wer zählt als aktiv?Ausgeschiedene, ruhende Verträge und externe Kräfte müssen sauber getrennt sein.
Xayambe hilft dabei, diese Linie zu ziehen: Was gehört in den globalen Kern und was sind lokalspezifische Besonderheiten? Das klären wir gemeinsam mit HR und IT, bevor das erste Feld angelegt wird. Ein paar Gespräche mehr am Anfang, dafür keine Korrekturschleifen, die spätere Projekte ausbremsen.
Logbuch, Ende (für heute)
Vier Schiffe und vier Wege, sich zu organisieren. Der Rundflug hat gezeigt: Harmonisierung und Vielfalt schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Sie machen die Flotte erst wirklich beweglich.
(Fast) alle Flottenmitglieder haben das verstanden. Nur auf der KETHRA sitzt ein Captain, der beleidigt schweigt.
Was alle wissen: Sein Widerstand wird für dieses Projekt die größte Herausforderung darstellen.
Was bisher keiner weiß: Zwei Sektoren entfernt sitzt derweil ein Kurier auf einer Kiste, betrachtet seine durchgeschmorte Antriebsspule und fragt sich, wie er es rechtzeitig schaffen soll, Captain Tyrell zurück zur MERIDIAN zu bringen, der vier Flugstunden weiter unter einem Sonnenschirm liegt und von der Bedrohung durch das wachsende schwarze Loch nichts ahnt.

Doch seine Mannschaft muss auch ohne ihn funktionieren und sich als Nächstes um die Umsetzung kümmern. Schiff für Schiff wird angepasst, was der Rundflug zutage gefördert hat.
Gibt es bei euch auch jemanden, der als Einziger weiß, wie ein bestimmter Prozess wirklich funktioniert? Und traut sich diese Person, Urlaub zu nehmen? Oder hattest du schon mal mit jemandem zu tun, der ein Projekt blockiert hat, und stellte sich später heraus, dass er beim letzten Mal übergangen wurde?



