Zurück an Bord der MERIDIAN: Logbuchnotizen über eine Flotte ohne gemeinsames Fundament, ein wachsendes schwarzes Loch und eine Deadline, die ihren Namen diesmal wirklich verdient.
Fünf Schiffe, fünf Wahrheiten
Es gibt einen sicheren Weg, ein Meeting zum Entgleisen zu bringen: Man lädt einfach vier Leute ein, von denen jeder glaubt, recht zu haben.
Auf dem Kommandodeck der MERIDIAN sind es an diesem Morgen vier Kapitäne, jeder auf einem eigenen Bildschirm, jeder mit einem eigenen System und jeder in der festen Überzeugung, dass die anderen drei ihm nur zuhören müssten. Währenddessen wächst am Rand von Proxima-Vier das schwarze Loch ungerührt weiter.
„Ich habe alle erreichbaren Kapitäne im Orbit zugeschaltet“, sagt Navara und wirft Varek einen mitleidigen Blick zu. „Viel Vergnügen!“
Varek tritt vor den Hauptschirm.
„Meine Damen und Herren. Wir müssen innerhalb der nächsten sieben Tage einen gemeinsamen Schutzschirm über Proxima-Vier errichten. Dieser funktioniert allerdings nur, wenn alle Schiffe ihre Energie synchron einspeisen. Ich schlage deshalb vor, zunächst …“
„Moment!“
Die Stimme kommt so laut, dass selbst N3RV erschrocken zusammenzuckt.
Auf dem dritten Bildschirm erscheint ein hagerer Mann mit wettergegerbtem Gesicht. Seine Uniform wirkt älter als manches Sonnensystem.
„Captain Orrek. Frachtschiff KETHRA.“
Varek nickt höflich.
„Warum führt ausgerechnet die MERIDIAN diese Mission an? Und dann nicht einmal Captain Tyrell persönlich? Wo steckt er?“
Auf den anderen Bildschirmen wird es still.
Varek richtet sich etwas gerader auf.
„Die Föderation hat aufgrund der jüngsten Einsätze beschlossen, die Koordination unserer Crew zu übertragen. Captain Tyrell befand sich bereits im Urlaub, bevor sich die Situation entwickelte. Bis zu seiner Rückkehr übernehme ich das Kommando.“
Orrek zieht eine Augenbraue hoch.
„Das gefällt mir nicht.“
„Ich nehme Ihre Bedenken zur Kenntnis.“
Orrek schüttelt langsam den Kopf. „Das gefällt mir überhaupt nicht.“
Galaktische Egos und der kleinste gemeinsame Nenner
Bevor Varek etwas erwidern kann, meldet sich ein breit lächelnder Captain in goldgelber Uniform vom zweiten Bildschirm zu Wort.
„Wenn ich kurz etwas dazu sagen darf. Gestatten, Captain Levaro von der AURORA. Wir haben letztes Jahr eine komplette Systemumstellung durchgezogen, unter Zeitdruck, mit einem riesigen Berg vor der Nase. Ohne die externe Projektbegleiterin der MERIDIAN hätten wir das niemals geschafft. Diese Crew weiß, was sie tut und wann es an der Zeit ist, sich externe Unterstützung zu holen.“
Bei diesen Worten wirft Navara Varek einen tadelnden Blick zu, der angestrengt auf den Boden starrt.
Orrek schnaubt. „Externe Projektbegleiter.“ Er spricht die beiden Wörter aus, als hätte jemand vorgeschlagen, den Schutzschild mit Marmelade zu betreiben. „So was gibt es bei mir an Bord nicht. Und wenn hier auf etwas synchronisiert wird, dann auf mein System. Das funktioniert schon ein halbes Jahrhundert!“
Navara murmelt: „Wenn funktionieren heißt, dass man jedes Update in einer Vollmondnacht mit angehaltenem Atem einspielt …“
Doch niemand hört sie, denn nun entbrennt eine hitzige Diskussion. Der eine Captain findet, sein System sei das modernste und alle anderen sollten sich anpassen. Der andere hält es für zu komplex.
Levaro schlägt gut gelaunt vor, doch einfach alle Systeme parallel laufen zu lassen, was die übrigen drei lautstark für die schlechteste Idee des Jahrhunderts erklären. Alle Kapitäne reden gleichzeitig und Varek steht davor wie ein Fremdenführer, dessen Reisegruppe sich in alle Himmelsrichtungen zerstreut hat.
„Wenn ich vielleicht“, versucht er. „Wenn wir zunächst …“
Aber niemand beachtet ihn.
N3RV rollt neben ihn und leuchtet matt auf. „Systemsynchronisation“, sagt er ungefragt und in tiefem Moll. „Das verzweifelte Bemühen, mehrere voneinander unabhängige Wünsche, Einstellungen und Sonderfälle so zu verheiraten, dass sie sich nicht sofort gegenseitig sabotieren.“
Externe Hilfe auf galaktischen Zuruf
Varek betrachtet die vier Bildschirme. Dann das schwarze Loch. Dann wieder die Bildschirme. Zum ersten Mal, seit Tyrell das Schiff verlassen hat, wirkt seine vulkanische Gelassenheit nicht mehr wie Kontrolle, sondern wie ein dünner Panzer, hinter dem fieberhaft gerechnet wird.
„Commander?“, fragt Navara vorsichtig.
Varek antwortet nicht, greift unter die Konsole und holt einen kleinen roten SOS-Knopf hervor.
Auf den Bildschirmen reden die Kapitäne inzwischen längst wieder durcheinander.
Orrek hämmert mit der Faust auf seine Armlehne. „Ich werde mein System garantiert nicht umbauen!“
„Das verlangt doch überhaupt keiner!“, ruft Levaro.
„Doch! Genau darauf läuft es doch hinaus!“
„Vielleicht hören wir erst einmal zu?“
„Warum? Damit ihr mich anschließend überstimmt?“
„Genug!“, brüllt Varek und drückt auf den Knopf. „Ich fordere nun externe Unterstützung an.“
„Na, wunderbar“, faucht Orrek. „Noch mehr Besserwisser, die sich in meine Angelegenheiten einmischen!“
„In IHRE Angelegenheiten? Sie waren wohl zu lange auf dem Planeten EGOMANIA, was?“, schimpft einer der anderen Kapitäne.
Alle verstummen, als Varek den Kanal der Überwachungskamera zum Transporterraum der MERIDIAN auf die Brücke projiziert. Zwei Männer materialisieren sich, sehen sich staunend um und winken freundlich in die Kamera.
„Wer sind die denn?“, raunt Morten Navara zu.
„Keine Ahnung“, flüstert sie zurück.
Zwei Erdlinge und die sinnvollste Frage des Tages
Kurz darauf gleitet die Tür zur Kommandobrücke auf und die beiden Männer treten ein, als kämen sie zu einem netten Termin und nicht mitten in einen galaktischen Notfall.
„Guten Morgen zusammen“, sagt der Erste. „Mein Name ist Fabian von Xayambe. Und das ist mein Kollege Ilim.“
„Moin“, sagt Ilim und hebt die Hand.
„Wo ist Maya?“, fragt Navara verwirrt.
„Die steckt gerade zwei Sektoren weiter fest.“
„Was ist passiert?“
„Jemand hat versehentlich sämtliche Urlaubskonten einer kompletten Flotte auf das Jahr 2087 übertragen.“
Morten pfeift anerkennend.
„Sportlich.“
„Wir sind eigens von der Erde angereist, um euch zu unterstützen, bis sie dazustößt.“
„Erdlinge!“, ruft Orrek von seinem Bildschirm auf sie hinab. „Na wunderbar. Wissen Sie überhaupt, wie ein Schildgenerator von innen aussieht?“
„Bis jetzt noch nicht“, antwortet Fabian freundlich. „Aber ich nehme an, dass es hier um etwas ganz anderes geht als die Anatomie Ihrer technischen Geräte.“
Navara nutzt das verdutzte Schweigen in der Runde und fasst schnell für Fabian und Ilim die Situation zusammen: vier Systeme, ein Schutzschirm, sieben Tage, kein gemeinsamer Plan.
„Vielen Dank für die Zusammenfassung“, sagt Fabian. „Darf ich eine Frage stellen?“
Orrek verschränkt die Arme. „Wenn es unbedingt sein muss.“
„Vielen Dank.“ Fabian nickt und schaut nacheinander jeden einzelnen Captain an. „Was genau soll der gemeinsame Schutzschirm können?“
Captain Orrek räuspert sich. „Na, das ist doch offensichtlich: Das schwarze Loch aufhalten.“
„Das ist das Ergebnis. Ich meinte den Weg dorthin.“
Orrek runzelt die Stirn.
Fabian tritt einen Schritt näher an den Hauptschirm.
„Was muss dieser Schutzschirm können?“
Levaro antwortet als Erster. „Alle Schiffe müssen gleichzeitig Energie einspeisen.“
„Noch etwas?“
„Er muss ständig nachregeln können“, wirft einer der anderen Kapitäne ein. „Das Gravitationsfeld verändert sich permanent.“
„Richtig.“
Fabian schreibt etwas auf sein Tablet. „Noch etwas?“
Navara denkt laut nach. „Die Schiffe müssen laufend ihre Positionen austauschen. Sonst schießen wir Energie in Richtungen, in denen längst niemand mehr fliegt.“
Fabian dreht sich wieder zu Orrek.
„Und jetzt erzählen Sie mir bitte noch einmal von Ihrem System.“
Orrek richtet sich stolz auf: „Mein System ist seit vierunddreißig Jahren unverändert. Es aktualisiert genau einmal am Tag, pünktlich jeden Morgen auf Knopfdruck. Es tauscht keine Daten mit fremden Schiffen aus. Das gibt uns Stabilität. Verlässlicher findet ihr nichts in dieser Flotte!“
„Ihr System, Captain Orrek, kennt genau einen Stand pro Tag, den von heute früh. Das ist für vieles, nun ja, eventuell passend. Für diese eine Aufgabe reicht es nicht.“
Orrek öffnet den Mund. Und schließt ihn wieder.
Die Kunst, zuerst das Ziel zu klären
Was auf dem Kommandodeck der MERIDIAN gerade passiert, kennen viele HR-Projekte aus der eigenen Startphase. Employee Central ist keine Software, die man einfach installiert. Es bildet die Grundlage für viele weitere Prozesse – von Payroll über Zeitwirtschaft bis hin zu Recruiting und Learning.
Wer ohne gemeinsames Zielbild startet, entwickelt schnell mehrere kleine Lösungen nebeneinander. Jede funktioniert für sich genommen. Erst wenn die Systeme zusammenarbeiten sollen, zeigen sich Widersprüche, doppelte Prozesse oder fehlende Informationen.
Deshalb beginnt eine erfolgreiche Einführung mit gemeinsamen Entscheidungen.
Zum Beispiel:
- Welche Prozesse wollen wir konzernweit harmonisieren?
- Welche Besonderheiten müssen bewusst erhalten bleiben?
- Welche Daten brauchen wir künftig – und welche nicht mehr?
- Wie soll das System das Unternehmen in drei oder fünf Jahren unterstützen?
In dieser Phase kann Xayambe unterstützen. Wir klären zunächst mit der Personalabteilung und der IT gemeinsam das Zielbild, grenzen den Scope ab und legen Prioritäten fest, bevor das erste Feld angelegt wird. Das kostet am Anfang vielleicht ein paar Gespräche mehr. Aber es spart später die Korrekturschleifen, die ganze Projekte und Prozesse ausbremsen.
Wenn am Ende doch jemand fehlt
Während Fabian und Ilim sich mit den Kapitänen in die Vision vertiefen und gemeinsam erarbeiten, was der Schutzschirm leisten muss und was nicht, steht Varek etwas abseits an seiner Konsole und verfolgt das Gespräch.
Eigentlich müsste er erleichtert sein. Trotzdem fehlt etwas. Oder besser gesagt: Jemand.
N3RV rollt heran und mustert ihn von der Seite. „Enttäuschung: Das Gefühl, wenn eine Hoffnung zeitlich verschoben wird. Nicht zu verwechseln mit Hoffnungslosigkeit. Häufig verbunden mit einer bestimmten Person. Verraten Sie mir, wer es ist?“
„Nein.“
„Verstanden.“ N3RVs Anzeige wird schwächer und er rollt unbeholfen davon. „Ich wollte nur helfen. Vielleicht klappt es beim nächsten Mal, oder im nächsten Blogbeitrag.“
Logbuch, Ende (für heute)
Ein Kommandodeck voller Kapitäne, die alle recht haben wollen. Ein schwarzes Loch, das nicht auf den perfekten Plan wartet. Und zwei Männer von der Erde, die eine wertvolle Sicht von außen in das Flottenchaos bringen.
Doch schon jetzt zeichnet sich eine Frage ab, die jeder Captain dieser bunten Truppe fürchtet: Müssen wir jetzt alle gleich werden? Oder darf jedes Schiff die Eigenheiten behalten, die es doch so besonders machen?
Kennst du das aus Projekten? Dass alle sofort über Lösungen sprechen, obwohl noch niemand das eigentliche Ziel sauber beschrieben hat?
Oder hast du schon erlebt, wie eine einzige gute Frage eine festgefahrene Diskussion komplett verändert hat?





