Zurück an Bord der MERIDIAN: Logbuchnotizen über eine Flotte ohne gemeinsames Fundament, ein wachsendes schwarzes Loch und eine Deadline, die ihren Namen diesmal wirklich verdient.
Der Moment, in dem Synchronisation wichtig wird
Ein Raumschiff-Wrack von zwei Kilometern Länge lässt sich erstaunlich leicht bewegen. Man braucht dafür nur fünf intakte Schiffe, die gleichzeitig ziehen. Doch an diesem Morgen stellt sich heraus, dass genau das der schwierige Teil ist.
Fünf Positionsmarkierungen leuchten rund um das Wrack. Daneben blinkt die Prognose: Noch zwei Tage und zwanzig Stunden, bis das schwarze Loch das Sternensystem Proxima-Vier mit allen seinen Planeten verschlingen wird. Die einzige Rettung besteht in einem gemeinsamen Schutzschirm – wenn da nicht ein altes Geisterraumschiff in der Schirmachse treiben würde.
Maya Bex steht mit ihrem Klemmbrett vor dem Hauptschirm der MERIDIAN.
Wilson steht neben ihr und sieht seinem Schiff zu. „Nicht am Mittelspant greifen“, sagt er. „Der ist im zweiten Jahr gerissen. Nehmt die Frachtringe weiter vorn. Die halten.“
Maya notiert es und gibt die Position in den offenen Kanal. „Alle fünf Traktorstrahlen ausrichten“, sagt sie. „Und auf unser Zeichen gleichzeitig andocken. Wenn einer zu früh oder zu spät zieht, dreht sich das Wrack, statt sich zu bewegen.“
„Verstanden“, meldet Levaro von der AURORA. „Wir sind bereit.“
„SELUNA bereit.“
„BUTHARA … äh, ja. Wir auch.“
Auf dem Kanal der KETHRA bleibt es still.
„Captain Orrek?“, fragt Maya.
„Ja, ich bin ja nicht taub“, grunzt Orrek über Funk.
Maya nickt Varek zu und er gibt das Zeichen. Vier Strahlen greifen gleichzeitig nach der aufgerissenen Hülle. Der fünfte folgt deutlich verspätet. Das Wrack kippt zur Seite und beginnt, sich um die eigene Achse zu drehen.

„Abbrechen! Alle Strahlen lösen!“
Das Wrack treibt weiter träge in der Schirmachse.
Vierzig Sekunden Dienstweg
„Die KETHRA war vierzig Sekunden zu spät“, meldet Navara seufzend.
„Unsinn“, poltert Orrek. „Wir haben exakt auf Ihr Zeichen reagiert.“
„Dann hätte ich gern kurz die Person am Traktorstrahl auf dem Kanal“, sagt Maya.
Einen Moment später meldet sich eine deutlich leisere Stimme. „Ich habe das Zeichen gesehen“, sagt die Technikerin. „Aber ich durfte noch nicht auslösen.“
„Wer erteilt die Freigabe?“
„Der Erste Ingenieur. Und der holt sie vorher beim Captain ein.“
„Das machen wir seit vierunddreißig Jahren so. Und das hat immer wunderbar geklappt“, wirft Orrek ein.
„Das glaube ich Ihnen“, sagt Maya. „Bisher mussten Sie aber auch noch nie mit vier anderen Schiffen kooperieren. Die Technikerin bekommt bitte die Freigabe für diesen Vorgang vorab. Sie löst aus, sobald sie das Zeichen sieht.“
„Nun gut“, sagt Orrek nach einer langen Pause. „Ausnahmsweise. Für diesen Vorgang.“
Beim zweiten Versuch greifen alle fünf Strahlen gleichzeitig zu. Das Wrack löst sich schwerfällig aus der Schirmachse und gleitet an der Flotte vorbei.
Maya atmet auf. „Das wäre geschafft. Aber jetzt fängt unsere Arbeit erst an. Das schwarze Loch wartet nicht.“
Fünf Schiffe, keine gemeinsame Struktur
Zwei Stunden später sind alle Captains auf dem Hauptschirm zugeschaltet. Maya projiziert fünf Karten in den Raum der Brücke. Auf jeder ist die Organisationsstruktur eines Schiffes abgebildet.
„Bevor wir Energie in den Schutzschirm einspeisen können, müssen wir festlegen, welche Strukturen für die gesamte Flotte gelten. Und wir müssen wissen, wer welche Daten sehen und bearbeiten darf.“
„Bei uns dürfen alle alles sehen“, sagt Levaro. „Wir sind wie eine Familie.“
„Auch Ihre Gehaltsdaten?“
Levaro überlegt. „Ähm … vielleicht doch nicht ganz alle.“
„Dachte ich mir.“
Maya wischt zur nächsten Karte.
Die Organisationsstruktur der BUTHARA erscheint. Bei zweiundvierzig Crew-Mitgliedern steht anstelle einer Organisationseinheit nur ein Bindestrich.
Varek beugt sich vor. „Was bedeutet dieser Strich?“
Der Captain der BUTHARA räuspert sich. „Das war der Standardwert. Damit man das Feld überspringen konnte.“
Maya öffnet die erste Berechtigungsgruppe. Ein rotes Warnsymbol erscheint.
„Ohne diese Zuordnung lässt sich nicht zuverlässig bestimmen, welche Berechtigungen für diese Crew-Mitglieder gelten sollen.“
Der Captain der BUTHARA seufzt. „Und das müssen wir jetzt für alle zweiundvierzig klären? Das kann aber dauern.“
„Weniger lange als herauszufinden, wer nachher Zugriff auf Dinge hat, die ihn nichts angehen.“
„Und wer entscheidet über die Zuordnung?“, fragt der Captain der BUTHARA.
„Sie gemeinsam mit Ihrer Personalabteilung. Wir können nur die Struktur aufbauen. Welche Zuordnung fachlich richtig ist, müssen die Menschen entscheiden, die Ihre Organisation kennen.“
In diesem Moment meldet der Hangar eine Lieferung von der KETHRA. Zwei Crew-Mitglieder rollen drei Kisten auf die Brücke und stellen sie neben dem Kommandotisch ab.

Varek öffnet die erste. Sie ist bis oben hin mit Papier gefüllt.
„Die Archive der KETHRA“, liest Navara vom Lieferschein ab.
„Ausgedruckt“, sagt Orrek vom Hauptschirm. „Sie wollten die Archive. Da sind sie.“
Wilson, der seit einer halben Stunde still in einer Ecke sitzt, steht auf und geht auf die Kisten zu wie andere Leute auf ein Buffet.
„Oh, Papier“, sagt er andächtig. „Darf ich?“
Auf dem Hauptschirm beugt Orrek sich vor. „Zum Sortieren fehlte uns leider die Zeit“, sagt er. Ein Hauch von überlegener Schadenfreude schwingt in seiner Stimme mit.
„Das sehe ich“, sagt Wilson und lächelt Orrek an.
Eine Freigabe braucht Verstärkung
Am Nachmittag sind die Grundstrukturen so weit vorbereitet, dass die ersten Regeln getestet werden können.
„Ich gebe jetzt die Schirmkonfiguration frei“, sagt Varek und legt die Hand auf die Konsole. Ein Warnton ertönt.
„Freigabe verweigert“, sagt N3RV stolz.

Varek dreht sich ungläubig zu dem kleinen Roboter um. „Was? Warum?“
„Für diese Freigabe ist eine Vertretung erforderlich. Das Feld ist aber leer.“
„Aber ich bin der Erste Offizier und vertrete den Captain.“
„Das ist mir bekannt.“
„Dann gib sie frei.“
„Nein.“
„N3RV!“
„Auch kommandierende Offiziere können krank werden, schlafen oder auf einem Wrack festsitzen.“
Navara schlägt sich die Hand auf den Mund und Morten lacht so laut in die Gegensprechanlage, dass die Verbindung kurz aussetzt. Selbst Wilson sieht von seinen Papieren auf.
Maya deutet auf die Konsole. „N3RV hat recht.“
Varek starrt sie an.
„Die Regel funktioniert genau so, wie wir sie eingerichtet haben. Für diesen Vorgang muss eine Vertretung hinterlegt sein.“
Der Erste Offizier betrachtet das leere Feld und trägt Navara als Vertretung ein. Die Warnmeldung verschwindet.
„Deine verweigerte Freigabe war richtig“, sagt Varek steif zu N3RV.
N3RVs Anzeige leuchtet heller. „Soll ich das protokollieren?“
„Auf gar keinen Fall.“
Der Raum der verpassten Möglichkeiten
Am Abend fliegt Wilson mit Varek und Maya zurück zu seinem Schiff. Es treibt jetzt außerhalb der Schirmachse, ein paar tausend Kilometer neben der Flotte.
Wilson führt sie durch die Korridore, die er siebzehn Jahre lang gekehrt hat, bis er vor einer Tür stehen bleibt, die er erkennbar länger nicht geöffnet hat. Dahinter liegt ein runder Raum. An den Wänden stehen mehrere Konsolen. Jede sieht anders aus.
„Hier haben wir uns getroffen“, sagt Wilson. „Wir sollten eine Flotte werden. Jedes Schiff hat seine eigene Konsole mitgebracht.“
Varek tritt an das erste Bedienfeld. Die Datumsanzeige zeigt Tag, Monat, Jahr. Die zweite zählt die Zeit nach dem Kalender eines Sternensystems, das er nicht kennt.
Maya fährt mit der Hand über eine weitere verstaubte Tastatur.
„Ihr hattet keine gemeinsame Struktur?“
„Doch.“ Wilson denkt kurz nach. „Die stand irgendwo notiert.“
„Irgendwo?“
„In einem Protokoll, glaube ich. Oder in einem der Projektordner.“ Er zuckt mit den Schultern. „Nur hat sie nie jemand in die Systeme gebracht. Jedes Schiff hat weiter gepflegt, was es immer gepflegt hat. Weil das ja schon immer so war. Und irgendwann haben wir aufgehört, uns zu treffen.“
Strukturen, Regeln und Zugriffe im HR-System
Die Organisationsstrukturen, die gerade auf dem Kommandotisch der MERIDIAN entstehen, werden in Employee Central mit sogenannten Foundation Objects abgebildet. Dazu gehören beispielsweise Gesellschaften, Geschäftsbereiche, Abteilungen, Standorte, Kostenstellen und Stellenprofile. Personaldaten werden diesen Strukturen zugeordnet. Deshalb entscheidet ihre Qualität darüber, ob Prozesse, Berechtigungen und Auswertungen später sauber zusammenspielen.
Auf diesen Strukturen setzen Business Rules auf. Sie prüfen Angaben, steuern Abläufe oder leiten Werte ab. Bei einer Versetzung kann eine Regel beispielsweise die passende Kostenstelle vorschlagen, sofern die zugrunde liegenden Zuordnungen sauber hinterlegt sind.
Der dritte Baustein sind die Berechtigungen. In Employee Central legen Role-Based Permissions fest, wer welche Daten sehen und bearbeiten darf. Permission Groups bestimmen dabei, für welche Personengruppe die Rechte gelten, während Permission Roles festlegen, welche Zugriffe vergeben werden.
Dabei geht es nicht nur darum, Zugriffe zu ermöglichen. Ebenso wichtig ist die Frage, wo sie enden. Eine Führungskraft braucht andere Informationen als die Personalabteilung. Eine Vertretung benötigt möglicherweise zeitweise zusätzliche Rechte. Und die gesamte Crew muss nicht die Gehaltsdaten ihrer Kollegen sehen, nur weil sie sich als Familie versteht.
Zu klären ist dabei unter anderem:
- Welche Organisationseinheiten brauchen wir künftig wirklich?
- Welche Regel gilt unternehmensweit und welche nur für einen bestimmten Bereich?
- Wer darf welche Daten sehen und bearbeiten?
- Welche Rechte benötigt eine Vertretung?
- Wann müssen temporäre Berechtigungen wieder entzogen werden?
- Wer pflegt Strukturen, Regeln und Berechtigungen weiter, wenn das Projekt abgeschlossen ist?
Xayambe baut diese Grundlage gemeinsam mit HR und IT auf, bevor die produktiven Prozesse ausgerollt werden. Denn Foundation Objects, Business Rules und Berechtigungen greifen in vielen Prozessen ineinander. Fehlt die Struktur, können Regeln und Zugriffe nicht zuverlässig darauf aufsetzen.
Änderungen sind auch später möglich. Je mehr Prozesse und Auswertungen bereits auf dem Fundament beruhen, desto größer wird allerdings die Nacharbeit.
Wer früh klärt, wie die Organisation aufgebaut ist, welche Regeln gelten und wer worauf zugreifen darf, muss diese Entscheidungen später nicht unter Zeitdruck nachholen.
Logbuch, Ende (für heute)
Der Weg für den Rettungsschirm ist endlich frei. Und die fünf Schiffe der zukünftigen Flotte haben zum ersten Mal gleichzeitig an einem Strang gezogen.
Doch schon in zwei Tagen und sechs Stunden wird das schwarze Loch für Proxima-Vier zu einem ernsten Problem und noch hat kein einziges Schiff Energie in den Schutzschirm eingespeist.
Zurück an Bord der MERIDIAN sortiert Wilson im Frachtraum die drei Kisten Papier der KETHRA. N3RV kontrolliert zum dritten Mal die Vertretungsregel, obwohl ihn niemand darum gebeten hat.
Oben auf der Brücke tritt Maya neben Varek vor den Hauptschirm.
„Sie haben heute sehr gut geführt“, sagt sie.
„Danke.“ Varek sieht sie an. „Maya, ich wollte Ihnen …“
Plötzlich ertönt ein Warnsignal. Navara fährt an ihrer Konsole hoch.
„Commander? Chefingenieur Morten bittet Sie und Maya nach unten. Er sagt, Sie sollten sich das lieber selbst ansehen.“
Auf dem Hauptschirm springt die Anzeige um: Noch zwei Tage, fünf Stunden und siebenundfünfzig Minuten.
Kennst du das? Ein Kollege hilft einmal aus, bekommt Zugriff und behält ihn zehn Jahre lang? Oder gibt es bei euch Zugriffsregeln, bei denen längst niemand mehr weiß, warum sie eigentlich existieren und für wen sie gelten?



