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Teil 3: Der Markt der Möglichkeiten – oder warum das beste Angebot selten das richtige ist

Logbuchnotizen über Kursabweichungen in HR-Digitalprojekten, den Mehrwert externer Projektbegleiter und die epischen Raumabenteuer der MERIDIAN auf ihrer Reise zum Planeten Arcadia.

 

Ein Außeneinsatz mit Folgen

Der Planet Kallixa-9 riecht nach Staub, heißem Metall und Optimismus, der zu lange in der Sonne gelegen hatte.

Captain Tyrell schiebt sich durch die engen Gassen des überfüllten Marktes, als wäre er hier schon öfter gewesen. „Gut“, sagt er. „Suchen wir uns also ein neues Antriebssystem, das perfekt zu uns passt!“

Morten mustert eine schwebende Anzeige, die „REIBUNGSLOSE INTEGRATION“ in dreißig Sprachen verspricht. „Dann sollten wir als Erstes klären, was reibungslos bedeutet und was das kostet.“

Navara tippt bereits auf ihrem Pad: „Reibungslos. Bedeutet vermutlich: Überraschungen inklusive.“

Varek sieht an ihnen vorbei auf die Verkäufer. „Ich empfehle eine einheitliche Frage“, sagt er. „Sonst vergleichen wir am Ende drei verschiedene Zukunftsversionen.“

Tyrell richtet seinen Kragen. „Einheitliche Fragen. Wo bleibt denn da der Spaß?“

Mit diesen Worten stürmt er zum ersten Verkaufsstand.

Viele Stimmen, keine Richtung

Die Stimme des Händlers überschlägt sich fast, als er sein System anpreist, das sich jede Stunde selbst aktualisiert (ob das gerade passt oder nicht).

Ein anderer erklärt Stabilität unter Volllast, und ein dritter redet von der Zukunftssicherheit und benutzt dabei Begriffe, die das Gefühl hinterlassen, dass hier gerade niemand über dieselbe Zukunft spricht.

Tyrell nickt höflich, was ihm in seiner Laufbahn schon oft die notwendige Zeit verschafft hat, um nicht dumm dazustehen.

Navara schreibt mit, bis ihre Notizen anfangen, eher wie eine Sammlung offener Fragen auszusehen, als eine Entscheidungsgrundlage.

Varek hört nur zu. Zunächst mit der analytischen Präzision, die man von ihm erwartet, dann mit zunehmender Anstrengung.

Wenn die Logik plötzlich Urlaub macht

Als fünf Händler gleichzeitig auf ihn einreden, ruft er: „Entschuldigung, die Herren. Nicht alle gleichzeitig!“

Als ein Händler mit besonders ausladender Gestik sehr nah an ihn heranrückt und ein unleserliches Diagramm in die Luft zeichnet, macht Varek etwas für ihn Ungewöhnliches: Er geht.

Varek biegt in eine schmalere Seitenstraße ein und atmet tief durch. Neben ihm, auf einer niedrigen Mauer, beginnt die Luft zu flackern und ein kleiner Knopf materialisiert sich.

Varek starrt ihn an. Er hat diesen Knopf das letzte Mal auf der Brücke gesehen, als ihn das magische Dreieck in den Wahnsinn getrieben hat.

Der Zeigefinger des Vulkaniers schwebt für einen Moment zögernd über dem Knopf, bevor er ihn drückt.

Hinter ihm erklingt ein Summen, und als er sich umdreht, blickt er in die himmelblauen Augen von Maya Bex, der Xayambe-Projektbegleiterin.

„Offizier Varek“, sagt sie und nickt ihm zu.

„Sie haben ein bemerkenswertes Talent dafür, dann aufzutauchen, wenn Ordnung fehlt“, sagt Varek.

„Oder Sie haben ein bemerkenswertes Talent dafür, mich zu rufen, wenn Sie sie brauchen“, antwortet Maya mit einem leichten Lächeln.

Varek räuspert sich und wirft einen Blick in Richtung Markt, von dem immer noch ein unerträgliches Stimmengewirr erklingt.

„Oha – das klingt ja ganz schön chaotisch“, sagt sie.

„Es ist furchtbar“, bricht es da aus dem Vulkanier heraus. „Alle reden! Und jeder denkt, dass genau sein Konzept zu uns passt. Und je länger man zuhört, desto weniger weiß man!“

Maya nickt mitfühlend. „Vielleicht sind Sie sich noch nicht im Klaren darüber, was Sie eigentlich suchen. Kommen Sie. Wir holen erst mal Ihre Mannschaft da raus.“

Beratung beginnt vor der Auswahl

Die Crew sammelt sich wenig später in einer ruhigeren Ecke des Marktes.

Alle wirken beim Anblick von Maya Bex erleichtert – selbst Captain Tyrell.

„Wir suchen das beste System“, sagt er.

„Dann sollten wir zuerst klären, was bei Ihnen ‚das Beste‘ bedeutet. Denn jeder Anbieter hat aus seiner Perspektive das Beste zu bieten – aber das muss nichts mit Ihren spezifischen Anforderungen zu tun haben.“

Und dann stellt sie sehr viele Fragen. Wofür wird der Antrieb wirklich genutzt?

Welche Lastspitzen sind realistisch und welche sind theoretische Extremfälle, die nie eintreten? Was darf auf keinen Fall passieren? Und welche Kompromisse wären unangenehm, aber tragbar?

Navara antwortet routiniert und korrigiert sich dann selbst, wenn sie merkt, dass ihr Wunschdenken zu sehr von der Realität abweicht. Morten wird präziser, je länger er sprechen darf, weil endlich jemand zuhört, ohne ihn zu unterbrechen.

Tyrell merkt, dass manche seiner Anliegen weniger mit technischer Notwendigkeit zu tun haben als mit dem Wunsch, weniger unnötige Entscheidungen über Möglichkeiten treffen zu müssen, die für sein Raumschiff eigentlich irrelevant wären.

„Wenn wir ehrlich sind“, sagt Morten schließlich und wirkt dabei erleichtert, das endlich aussprechen zu dürfen, „brauchen wir keine maximale Leistung. Wir brauchen etwas, das stabil bleibt und sich integrieren lässt, ohne dass jede Anpassung ein neues Projekt auslöst und wir in drei Monaten wieder hier stehen.“

Die Projektbegleiterin nickt.

„Dann ist der Markt gerade deutlich kleiner geworden. Und das ist gut so.“

Logbuchauszug – XAYAMBE, Einsatz „Ausschreibung und Auswahl“ auf der MERIDIAN

  • Zielbild geschärft → wofür das System genutzt wird, was es leisten muss, was es nicht leisten muss
  • Muss und Kann getrennt → Prioritätenliste statt Wunschkonzert
  • Begriffe geklärt → „Integration“, „Volllast“, „zukunftssicher“ in messbare Kriterien übersetzt
  • Vergleichbarkeit hergestellt → identische Fragen, identische Testfälle, identischer Bewertungsrahmen
  • Entscheidung belastbar gemacht → Kriterien, Gewichtung und Entscheidungsweg dokumentiert

Auswahl bedeutet im ersten Schritt Reduktion

Mit klaren Anforderungen wirkt das Angebot plötzlich überschaubar. Der Markt ist zwar immer noch laut, aber die meisten Anbieter sind für die MERIDIAN schlicht irrelevant. Einige fallen sofort aus der Betrachtung, weil sie Probleme lösen, die die Crew gar nicht hat.

Ein System, das vorher eher unscheinbar wirkte, passt plötzlich erstaunlich gut – gerade, weil es nichts behauptet, was sich nicht überprüfen lässt, und weil der Anbieter auf die Frage „Was kann das nicht?“ eine ehrliche Antwort hat.

 

„Faszinierend“, sagt Varek. „Je klarer wir wussten, was wir brauchen, umso leiser wurde der Markt.“

 

Maya lächelt. „Das ist oft der Effekt von Klarheit. Sie reduziert Optionen, aber sie erhöht die Entscheidungssicherheit.“

 

Varek sieht sie an, einen Moment länger, als es rein funktional nötig wäre.

„Danke“, sagt er dann.

 

„Sollen wir eventuell noch gemeinsam prüfen, welche Software diese Anforderungen erfüllt?“

 

„Danke, aber das bekommen wir dann doch allein hin“, sagt Tyrell.

 

Morten und Navara tauschen einen kurzen Blick aus.

 

„Also gut“, antwortet Maya. „Vielleicht sehen wir uns irgendwann mal wieder.“

 

„Die Wahrscheinlichkeit ist hoch“, sagt Varek, und seine Ohren sind einen Hauch dunkler als üblich.

 

Zurück an Bord

 

Die Crew der MERIDIAN hat zwar noch keine Entscheidung gefällt, aber sie hat endlich verstanden, wonach sie sucht.

 

Varek steht am Andockfenster und betrachtet den chaotischen Planeten unter dem Schiff.  „Faszinierend. Eine externe Begleitung ersetzt zwar keine Entscheidung, aber sie schafft die Grundlage, auf der Entscheidungen wieder möglich werden.“

 

Logbuch, Ende (für heute)

 

Die MERIDIAN fliegt weiter. Und irgendwo notiert sich der Erste Offizier, dass sich manche Begegnungen erstaunlich zuverlässig wiederholen, wenn man sie gerade am dringendsten braucht.

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