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Teil 2: Das magische Dreieck – oder warum man im Projektcontrolling meistens irgendeinen Tod sterben muss

Logbuchnotizen über Kursabweichungen in HR-Digitalprojekten, den Mehrwert externer Projektbegleiter und die epischen Raumabenteuer der MERIDIAN auf ihrer Reise zum Planeten Arcadia.

 

Eine beunruhigende Nachricht aus dem Maschinenraum

 

Das Handelsschiff MERIDIAN ist wieder steuerbar und fliegt durch die unendlichen Weiten des Alls. Auf der Brücke wirkt alles so ruhig, dass man fast glauben könnte, jemand habe das Universum auf lautlos gestellt.

 

Captain Tyrell streicht beiläufig über den Ärmel seiner goldgelben Uniform. Kommunikationsoffizierin Navara nutzt die ungewohnte Ruhe, um schnell eine private Nachricht abzusetzen, und der Erste Offizier Varek steht wie immer an seinem Kontrollcenter, eine Hand hinter dem Rücken, die andere auf der Konsole. Seine spitzen Ohren zucken minimal, während er Werte durchgeht, die sich andere Mitglieder der Crew nur ansehen, wenn sie sich freiwillig Sorgen machen wollen.

 

Im Maschinenraum ist Chefingenieur Morten dabei, genau das zu tun. Mit besorgter Miene betätigt er die Gegensprechanlage zur Brücke.

 

„Captain, ich bräuchte Sie und Varek mal dringend hier unten. Bringt mir bitte einen Kaffee mit.“

 

Drei Anzeigen und ein sehr irdisches Problem

 

Ein paar Minuten später versammelt sich die Crew im Maschinenraum. Morten hält vergeblich nach seinem Kaffee Ausschau und deutet schließlich seufzend auf die Anzeigetafel, auf der drei Zahlen mit mittelmäßigen Werten angezeigt werden.

 

„Bei diesem Tempo werden wir Arcadia erst in drei Lichtjahren erreichen.“

 

Captain Tyrell zuckt nur mit den Schultern. „Na und? Dann beschleunigen wir einfach und holen die verlorene Zeit auf!“

 

„Negativ, Captain“, sagt Morten. „Dadurch würden wir an Stabilität verlieren.“

 

Vareks linke Augenbraue hebt sich minimal. „Und zu viele Ressourcen verbrauchen – Schnelligkeit kostet Treibstoff!“

 

„Aber wir haben einen Zeitplan“, poltert Tyrell. „Die anderen Schiffe werden Arcadia vor uns erreichen. Dann bekommen wir nie wieder eine Anfrage für eine große Mission!“

 

„Was nützt uns ein Zeitplan oder eine große Mission, wenn unser System kollabiert?“, kontert Morten.

 

„Oder wir mit leerem Tank durch den Orbit treiben?“, ergänzt Varek. „Das wäre völlig unlogisch!“

 

Das magische Dreieck

 

Was dort gerade im Maschinenraum der MERIDIAN geschieht, ist ein altes, sehr irdisches Prinzip – der Kampf darum, die Waage zu halten zwischen:

 

Zeit, Kosten, Qualität.

 

Drei Faktoren, die sich gegenseitig beeinflussen – ob man das nun möchte oder nicht:

 

  • Verkürzt man die Zeit, steigen Kosten oder Risiken.
  • Begrenzt man das Budget, leidet Qualität oder der Umfang.
  • Hält man an hoher Qualität fest, braucht es Zeit und/oder Geld.

 

Im Projektmanagement nennt man dies das magische Dreieck.

 

Einen Tod muss man sterben!

 

„Das heißt, egal was wir tun, irgendetwas tut weh“, fasst Tyrell resigniert zusammen.

 

„Korrekt“, sagt Varek. „Einen Tod muss man sterben. Das Problem ist, dass jede Lösung für sich genommen logisch ist. Was uns fehlt, ist eine externe Perspektive.“

 

Auf Mortens Anzeige materialisiert sich ein roter Knopf, auf dem „SOS an XAYAMBE“ steht.

 

„Ach, dieser olle Knopf schon wieder“, motzt Tyrell, aber da hat ihn Varek auch schon gedrückt und Projektbegleiterin Maya Bex vom Rettungsschiff Xayambe materialisiert sich vor ihnen.

 

„Das ging ja schneller als erwartet“, sagt sie lächelnd.

 

„Wenn ein Problem identifizierbar ist“, sagt Varek, „ist jede Verzögerung der Lösung ineffizient.“

 

„Klingt absolut logisch.“ Maya zwinkert Varek zu.

 

Die Ohren des Vulkaniers färben sich einen Hauch dunkler.

 

Die Projektbegleiterin dreht sich zum Hauptschirm. „Ah ja. Ein klassisches magisches Dreieck. Sie diskutieren wahrscheinlich gerade darüber, welche Ecke Sie opfern wollen.“

 

„Exakt“, bestätigt Captain Tyrell widerwillig.

 

Das getarnte Entscheidungsproblem

 

Die Projektbegleiterin tippt auf ihr Pad. Auf dem Hauptschirm erscheinen Daten: Energieflüsse. Zeitfresser. Blockierte Ressourcen.

 

Varek und Morten beugen sich interessiert vor, selbst der Captain vergisst für einen Moment, an seiner Uniform herumzuziehen.

 

„40 Prozent Ihrer Energie verpufft in Abstimmungsschleifen, weil niemand weiß, wer eigentlich entscheidet“, sagt Maya und tippt auf eine leuchtend rote Anzeige.

 

„Aha!“, ruft Morten. „Wir verlieren unsere Energie also nicht in meinem Maschinenraum, wie ihr immer behauptet. Ihr verliert sie in euren ewigen Meetings.“

 

Tyrell verschränkt die Arme vor der Brust. „Also jetzt mal langsam!“

 

Die Projektbegleiterin fährt unbeirrt fort: „20 Prozent gehen in Nacharbeiten. Dinge, die beim ersten Mal unklar geblieben sind. Und weitere 15 Prozent in Wartezeiten, weil Entscheidungen aufgeschoben werden, in der Hoffnung, dass sie sich irgendwie von selbst erledigen.“

 

Sie lässt die Zahlen einen Moment lang wirken.

 

„Euer Zeit- und Treibstoffproblem ist ein getarntes Entscheidungsproblem.“

 

„Und was machen wir jetzt?“, fragt Captain Tyrell kleinlaut.

 

Lieber stabil als schnell

 

„Sie treffen jetzt eine bewusste Entscheidung und bleiben dabei. Das ist mehr, als die meisten Projekte von sich behaupten können.“

 

Die Projektbegleiterin sieht Tyrell forschend an. „Was ist Ihnen wichtiger? Dass Sie vor allen anderen oder in einem Stück und einsatzbereit auf Arcadia ankommen?“

 

Tyrell zögert und der Chefingenieur Morten kommt ihm zuvor: „Wenn wir ehrlich sind: Lieber drei Wochen später als gar nicht.“

 

Tyrell atmet langsam aus und sagt: „Also gut – lieber stabil als schnell.“

 

„Gute Entscheidung“, antwortet Maya. „Dann passen wir den Umfang mit einem realistischen Zeitplan an, der die Ressourcen schont. Dann bekommt die Qualität auch wieder Luft.“

 

 

Logbuchauszug – XAYAMBE, Einsatz „Projektcontrolling“ auf der MERIDIAN

 

  • Magisches Dreieck wackelte → Priorität gesetzt: Qualität und Stabilität vor Tempo
  • Meetings ohne Ergebnisse häuften sich → feste Entscheider benannt, Entscheidungen bekommen Deadlines
  • Plan driftete auseinander → Umfang reduziert, Zeitplan an Ressourcen angepasst
  • Fehler tauchten zu spät auf → Zwischenabnahmen eingeführt, Tests an klare Meilensteine gekoppelt
  • Projektlage unklar → wöchentlicher Kurzreport: Was ist fertig, was blockiert, was kostet Zeit

 

Eine Entscheidung später

 

„Danke“, sagt Tyrell.

 

Maya Bex lächelt. „Keine Ursache. Das war ja erst der theoretische Teil.“

 

Varek sieht zu ihr auf. „Theoretisch? Konkretisieren Sie bitte diese Aussage!“

 

„Naja, Sie wissen jetzt, wo Sie stehen. Die nächste Herausforderung besteht darin, dorthin zu kommen, wo Sie hinwollen. Ich würde an Ihrer Stelle über ein neues Antriebssystem nachdenken.“

 

Tyrell runzelt die Stirn. „Danke für den Tipp. Wir werden uns auf dem nächsten Landgang umsehen.“

 

„Wenn Sie Hilfe bei der Auswahl brauchen, sagen Sie Bescheid.“

 

„Einen neuen Antrieb einkaufen? Also das bekommen wir schon allein hin“, erwidert Tyrell.

 

„Berühmte letzte Worte“, murmelt Morten.

 

„Also gut“, lacht Maya Bex. „Dann vielleicht bis bald!“

 

„Sehr wahrscheinlich!“, antwortet Varek steif.

 

Mit einem leisen Summen verschwindet die Projektbegleiterin.

 

 

Ein faszinierender Status Quo

 

Die MERIDIAN fliegt nun nicht schneller, sondern stabiler. Das Tempo wird jetzt bewusst angepasst. Die Qualität bekommt wieder Luft und der Zeitplan bleibt realistisch, statt ambitioniert.

 

Tyrell wirkt erleichtert. Er hasst es zwar, Kompromisse einzugehen – aber noch mehr würde er es hassen, wenn sein geliebtes Raumschiff auseinanderbrechen würde.

 

Morten meldet sich aus dem Maschinenraum. „Hier ist alles Roger. Könnte mir vielleicht mal jemand einen Kaffee …“

 

Varek knipst gedankenverloren den Lautsprecher aus. „Faszinierend. Projekte scheitern also nicht daran, dass man Opfer bringen muss, sondern daran, dass diese Opfer zufällig geschehen, statt bewusst gewählt zu werden.“

 

 

Die MERIDIAN hält weiter ihren Kurs durchs All. Der Treibstoff reicht. Vorerst. Doch bald schon wartet die nächste Herausforderung (aber das ist eine andere Geschichte).

 

#Projektcontrolling #MagischesDreieck #Projektmanagement #SAPImplementierung #Xayambe #DontPanic

 

Logbuch, Ende (für heute)

 

 

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