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KEINE PANIK Vol. 2 – Teil 1: Über Berge, die man nicht einfach bezwingt, und Systeme, die bald keinen Support mehr haben

Logbuchnotizen der Crew des Raumschiffes AURORA über ihre Sta(H)R-Transformation im Mittelstand, den Wert erfahrener Bergführer und ihre Abenteuer auf dem Planeten Datura.

Von der Kunst, ein bekanntes Ultimatum zu ignorieren

In diesem Universum lässt sich eine bekannte Deadline erstaunlich lange durch konsequentes Ignorieren stabil halten. Der offizielle Terminus dafür lautet „strategische Priorisierung“. Die inoffizielle Version: „Hat ja noch Zeit.“

Die AURORA-Crew bevorzugte bislang die inoffizielle Version.

Jetzt hat es keine Zeit mehr.

Auf der Brücke starren alle auf den Hauptschirm, auf dem der Planet Datura langsam rotiert, majestätisch und völlig unbeeindruckt von der Hiobsbotschaft dieses Morgens.

Captain Levaro kauert mit verschränkten Armen in seinem Kommandosessel. „Ich habe keine Lust auf diesen Landgang.“

„Die hat keiner von uns“, antwortet IT-Offizier Falk, ohne den Blick von seiner Konsole zu heben. „Wir hätten die Umstellung auf das neue HR-System schon beim ersten Versuch durchziehen sollen. Damals war das Signal für SuccessFactors noch viel stärker. Jetzt müssen wir ganz nach oben zum Gipfel vom TRUDJDELIKUMKUMSAP4000.“

Alle schauen zerknirscht zu Boden. Niemand erinnert sich gerne an die misslungene Mission. Das Ultimatum ist außerdem schon lange bekannt: Der Mainstream-Support für ihr HR-System endet in wenigen Tagen. Keine Updates mehr, keine rechtlichen Anpassungen, kein Support. Dieses Memo war in mindestens drei Systemen hinterlegt und auf mehreren Konferenzen laut ausgesprochen worden.

Es gab zwar einen halbherzigen Versuch, aber die Expedition zum Signalturm auf dem höchsten Berg des Planeten Datura wurde aufgrund wichtiger Aufträge und akuter Unlust nach der Hälfte des Aufstiegs abgebrochen.

Und jetzt liegt ein galaktisches Schreiben von der Systemischen Allgemeinen Planungsbehörde – kurz S.A.P – auf dem Tisch der Brücke:

Wer bis zum gesetzten Datum (Upsi – das ist ja schon nächste Woche) keine valide Netzwerkverbindung zum Signalturm des Berges TRUDJDELIKUMKUMSAP4000 nachweist, verliert den offiziellen Support seines bisherigen Systems. Und uns ist es PIEP-EGAL, was bis dahin noch darauf läuft.

„Wir hätten beim ersten Versuch keine Profi-Hilfe ablehnen sollen“, murmelt Chef-Controller Leo und öffnet reflexartig ein neues Tabellenblatt. „War doch klar, dass wir das allein nicht packen!“

„Aber wir waren doch gar nicht allein! Wir hatten doch extra diese drei niedlichen Ewoks angeheuert“, widerspricht HR-Chefin Priya.

„Welche Ewoks?“, fragt Captain Levaro.

„Na, die von der ersten Expedition. Die haben immer irgendwelche Sachen getragen.“ Priya macht eine vage Handbewegung. „Zumindest, bis sie es sich im Maschinenraum gemütlich gemacht haben.“

Levaro dreht sich langsam um. „Wie bitte?“

„Da … äh … arbeiten die wohl seitdem.“ Priya starrt in ihren Kaffeebecher. „An irgendwas.“

„Und wir bezahlen die seit damals?“

„Seit zwei Jahren“, bestätigt Leo, ohne aufzusehen. In Spalte D stehen drei Einträge.

„Meine Güte! Mit dem neuen System wäre das nicht passiert“, murmelt Falk.

„Dann installiere es doch endlich!“, ruft Leo. „Du bist hier schließlich der IT-Chef.“

„Zum hundertsten Mal: Das ist kein reines IT-Thema. Und ihr habt ja immer gesagt: ‚Never change a running system.‘ Und jetzt stehen wir hier.“

Wenn der Notfallplan selbst einen Notfallplan braucht

Captain Levaro stampft auf. „Schluss! Dieses Mal holen wir uns Profi-Hilfe. Was ist denn mit dieser Maya Bex von dem Rettungsschiff XAYAMBE? Wo ist der SOS-Knopf, den uns Captain Tyrell gestern in der Bar mitgegeben hat?“

Betretenes Schweigen.

„Bei Falk vielleicht?“, sagt Priya.

„Nee, Leo hat ihn“, sagt Falk.

Leo schaut hoch. „Was für ein SOS-Knopf?“

Levaro sagt für einen Moment gar nichts. Dann: „Funkt sofort die MERIDIAN an.“

Spitze Ohren, Zeitdruck und eine rettende Nummer

Die MERIDIAN antwortet nach wenigen Sekunden. Auf dem Bildschirm erscheint ein Gesicht mit spitzen Ohren und dem Ausdruck eines Mannes, der gerade bei etwas sehr Wichtigem unterbrochen wurde.

„Offizier Varek“, sagt Levaro. „Wir wollen nicht lange stören. Wir suchen Maya Bex von der XAYAMBE. Haben Sie ihre Kontaktdaten?“

Varek hebt die linke Augenbraue. „Wer? … Ach ja. Die Projektbegleiterin.“ Eine Pause, die einen Tick zu lang dauert. „Es tut mir leid, aber ich sehe keinen unmittelbaren Grund, warum diese Information für Ihr Vorhaben entscheidend wäre.“

„Woher wollen Sie wissen, was wir vorhaben?“, fragt Falk entrüstet.

„Nun ja! Man hört so einiges auf dem Sternenfunk.“

„Offizier Varek, bitte. Wir brauchen diese Kontaktdaten dringend.“

„Es gibt ja auch andere Projektbegleitungsangebote im Universum, die ich …“

Eine Hand schiebt sich ins Bild, greift nach Vareks Schulter und befördert ihn sanft, aber bestimmt aus dem Sichtfeld.

Captain Tyrells Gesicht erscheint.

„Entschuldigt meinen Ersten Offizier. Er arbeitet gerade an seiner sozialen Kompetenz. Die Fortschritte sind messbar. Leider nur in die falsche Richtung. Ihr erreicht Maya Bex unter der +49 201 89 366 80. Sagt ihr, die MERIDIAN schickt euch.“ Tyrell senkt die Stimme. „Ich habe gehört, ihr habt das Signal des neuen Systems noch nicht aktiviert?“

Levaro räuspert sich. „Wir arbeiten gerade daran.“

„Dann beeilt euch. Die Signalstation auf dem Berg ist die letzte, die noch eine stabile Verbindung zum alten System herstellen kann.“

„Und das Signal wird schwächer!“, ruft Varek fast fröhlich im Hintergrund. „Von Minute zu Minute. Fast alle anderen Schiffe haben ihr System längst umgestellt. Na ja. Fast alle, nicht wahr?“

Captain Tyrell wirft dem Vulkanier einen bösen Blick zu, bevor er sich verabschiedet.

„Viel Erfolg. Maya Bex weiß, was zu tun ist.“

Das Bild erlischt und Leo tippt die Nummer ins Kommunikationssystem.

Vielleicht bald ein Cocktail am Strand?

Wenige Sekunden später materialisiert sich Maya Bex auf der Brücke. Sie hält ein Klemmbrett in der Hand, schaut die Crew an, dann auf den Hauptbildschirm, dann wieder die Crew.

„Ah ja“, sagt sie.

Captain Levaro kommt sofort zur Sache. „Wir müssen den höchsten Berg auf diesem Planeten bezwingen. Und zwar in sieben Tagen!“

„Das ist das erste Problem.“

„Was, der Berg? Na, das wissen wir auch.“

Maya Bex lächelt den Captain der AURORA geduldig an.

„Dieses Wort. Wer bezwingen sagt, denkt an einen Gegner, der verlieren soll. Aber Berge verlieren niemals. Menschen hingegen – nun ja, das kommt vor.“ Sie dreht sich zur übrigen Crew. „Wir werden mit diesem Berg eine Symbiose eingehen. Und mit dem Personal. Und mit dem System, das umgebaut werden soll. Wer nur an den Gipfel denkt, vergisst den Rückweg.“

„Aber ich will SAP HCM gar nicht ersetzen!“ Priya verschränkt bockig die Arme. „Das System funktioniert. Ich kenne mich damit aus. Es soll alles bleiben, wie es ist.“

Maya geht einen Schritt auf Priya zu. „Ich weiß, dass sich das gerade anfühlt wie der Beginn von etwas Schlimmem. Das tut Veränderung meistens.“

Sie tippt auf ihr Klemmbrett und dreht es zu Priya. Auf dem Display: ein Strand. Türkisblaues Wasser, eine Hängematte zwischen Palmen und ein kleiner Tisch mit gefüllten Cocktails, an deren Gläsern feine Tropfen entlangperlen.

„Stellen Sie sich vor: Urlaubsanträge per App prüfen. Gehaltsabrechnungen, Abwesenheiten, Personalakten, alles auf einem Gerät quasi in der Hosentasche – oder in der Strandtasche. Das System schläft nicht und macht keine Mittagspause.“

Priya starrt sehnsüchtig auf das Bild. „Und die Tarifgruppen? Die werden auch korrekt abgebildet?“

„Wenn wir es richtig einrichten, ja.“

„Meine Auswertungen?“

„Besser als bisher.“

Eine Pause. Priya schaut auf ihren Kaffeebecher, dann auf den Hauptschirm, dann wieder auf den imaginären Strand.

„Ich will, dass wir alles mitnehmen, was funktioniert.“

„Das wollen wir alle. Deshalb fangen wir noch heute damit an, herauszufinden, was das ist.“

Warum HR-Transformationsprojekte stecken bleiben

Was die AURORA-Crew beim letzten Versuch erlebt hat, kennen viele mittelständische Unternehmen aus eigener Erfahrung.

HR-Transformationsprojekte verlaufen oft aus denselben Gründen im Leerlauf: HR und IT haben unterschiedliche Vorstellungen davon, was „ein System migrieren“ eigentlich bedeutet. Verträge wecken Erwartungen, die niemand erfüllen kann. Und irgendwo im Unternehmen weiß jemand schon lange, was getan werden müsste, wurde aber nie gefragt.

SAP HCM läuft aus dem Mainstream-Support. Das Signal wird schwächer. Wer wartet, steht früher oder später genau dort, wo die AURORA jetzt steht: mit einem gewaltigen Berg vor sich, einer Frist im Rücken und dem Wissen, dass alle anderen längst fertig sind.

Xayambe setzt als unabhängige Instanz genau dort an, wo solche Projekte meistens stocken: Prozesse klären, Erwartungen abgleichen, die richtigen Personen früh einbinden.

Landgang in Sicht

„Ich brauche drei Dinge“, sagt Maya. „Erstens: eine Liste aller HR-Prozesse, die ihr täglich wirklich nutzt. Die, die wirklich laufen, nicht die im Handbuch.“ Sie schaut zu Falk. „Zweitens: die Zugangsdaten zum alten System. Ich nehme an, das haben Sie?“

„Ja“, sagt Falk. „Habe ich.“

„Drittens.“ Maya schaut zu Priya. „Eine kurze Beschreibung dessen, was auf keinen Fall verloren gehen darf.“

„Habe ich bereits notiert. Ich wusste ja, dass dieser Tag einst kommen wird.“

„Sehr gut. Dann treffen wir uns in zwei Stunden mit der Bergausrüstung und allen Notizen im Transporterraum.“

Sie dreht sich zur Tür und bleibt kurz stehen. „Ach ja: Hat jemand einen Grundriss des Maschinenraums?“

„Warum?“, fragt Levaro.

„Nur um zu wissen, womit wir es noch so zu tun haben“, seufzt Maya.

Ihr Ton lässt offen, ob sie die kleinen Ewoks meint oder den Zustand des alten Systems.

Die Tür schließt sich hinter ihr.

Logbuch, Ende (für heute)

Sieben Tage. Ein Berg. Und eine Crew, die bis zu diesem Moment noch gehofft hatte, das Ganze irgendwie intern klären zu können.

Leo hat eine neue Tabelle geöffnet, Priya denkt an den Strand und die eiskalten Cocktails und Falk misst alle zehn Minuten das Signal zum Sendeturm auf dem TRUDJDELIKUMKUMSAP4000.

Es wird immer schwächer.

Während etwas im Maschinenraum raschelt und kichert, setzt die AURORA weiter Kurs auf Datura und bereitet sich auf den gefürchteten Landgang vor.

Habt ihr auch schon mal gewusst, dass etwas getan werden muss, und es trotzdem zu lange aufgeschoben? Oder einen Berg vor euch gesehen, den ihr längst in Angriff hättet nehmen sollen?

 

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