„Mandy …“, haucht Levaro.
„Wer ist das?“, flüstert Falk.
„Captain Mandy von der VENTARA“, raunt Levaro zurück.
Die Frau mustert ihn mit einem breiten Grinsen und hebt ihr Glas. „Levi-Schätzchen! Ich hätte nicht gedacht, dich um diese Zeit hier noch zu treffen.“
Für einen Moment sagt niemand etwas. Falks Augenbrauen schieben sich fragend zusammen, Leo hält mitten in der Bewegung inne, Priya nippt vorsichtig an ihrer Tasse, als wolle sie sich hinter dem Porzellan verstecken. Selbst Korvo schaut auf und mustert Mandy einen Moment länger als nötig.
Das Schweigen dehnt sich, bis Maya die Situation rettet. Sie erhebt sich, lächelt höflich und sagt: „Möchten Sie die Nacht bei uns verbringen? Die Temperatur fällt hier oben schnell und am Feuer ist noch Platz.“
Mandy grinst und hebt ihr Cocktailglas. „Sehr gern. Ich wusste doch, dass ihr hier oben die beste Gesellschaft seid.“
Sie lässt sich entspannt auf einer freien Decke nieder.
Levaro schiebt eilig das mysteriöse Artefakt in seinen Rucksack und starrt missmutig vor sich hin.
Feuer, Decken, Tee und ein Übermaß an Fürsorge
Falk hält ihr einen Becher Tee hin, doch Mandy schmunzelt nur. „Nett gemeint, aber ich reise nie ohne meine Hausbar.“ Sie zieht einen Cocktailshaker und ein Sammelsurium bunter Flaschen aus ihrem Rucksack.
Leo kommt mit zwei Decken zurück. „Man kann nie zu viele haben.“
„Kekse hätte ich übrigens auch noch irgendwo“, ergänzt Falk eifrig.
Korvo hebt kurz den Blick, sagt aber nichts. Priya hält ihre Tasse so fest, dass die Fingerknöchel weiß hervortreten.
Vom Vogel, den man am letzten Drücker abschießt
Ohne auf Falks und Leos Bemühungen einzugehen, macht Mandy es sich am Feuer bequem. „So. Jetzt erzählt mal.“
Falk antwortet trocken: „Wir sind noch auf dem Weg zum Gipfel.“
Mandy gießt sich ungerührt nach. „Aha, also noch mitten im Synchronisieren? Viel Erfolg. Wir sind schon lange durch. Ich bin nur noch zum Gucken hier – wollte mal sehen, wer es wirklich bis zum Schluss ausreizt.“ Sie lacht auf. „Levi-Schätzchen, ihr seid ja wirklich die Meister des späten Aufbruchs. Ihr seid die Allerletzten hier oben.“
Levaro brummt etwas in seinen Becher.
Maya legt noch ein Scheit nach. „Es sind noch andere Crews unterwegs“, sagt sie ruhig. „Mit der richtigen Begleitung kommt man auch spät noch oben an. Man muss nur den eigenen Weg finden.“
Leo flüstert Priya zu: „Was für ein Glück, dass wir nicht auf Trentaris-IV sind – da hätten wir für den Bergführer ein Vermögen bezahlt.“
Priya nickt abwesend und trinkt einen Schluck.
Korvos Hand verharrt kurz über der Glut, als würde er über etwas nachdenken, dann holt er neues Holz.
Wege jenseits des Standardangebots
Mandy lehnt sich zurück. „Mein erster Implementierungspartner hat mir sofort Employee Central und gleich noch ein halbes Dutzend Module verkauft. Ich habe einfach zugestimmt. Wäre besser gewesen, jemanden zu fragen, der nicht verkaufen wollte.“
Maya Bex lächelt. „Gab es einen Moment, in dem du gemerkt hast, dass das schiefgeht?“
Mandy nickt. „Als wir gemerkt haben, wie unaufgeräumt unsere Daten waren. Die gebuchten Module halfen nichts, weil die Basis nicht gestimmt hat.“
„Das ist der Klassiker“, bemerkt Maya. „Die Technik ist selten das Problem – es sind die Grundlagen und die Vorbereitung.“
Falk fragt: „Wie lief die Datenübernahme ins Employee Central, Captain Mandy? Wir stehen da gerade vor ein paar offenen Fragen.“
Mandy winkt ab. „Das hat mein zweiter Berater von der Xayambe gemacht. Das sind doch deine Kollegen, Maya? Der hat uns erst mal nach unseren wirklichen Anforderungen gefragt und dann den passenden Partner gesucht. Er war bis zum Schluss dabei – das war großartig!“
Maya schaut in die Runde. „Ohne stabile Basis helfen die schönsten Module nichts. Und im Katalog sucht man solche Hinweise vergeblich.“
Was wirklich zählt bei der Systemauswahl
Später schreibt Falk ins Logbuch, was Maya am Feuer erklärt hat (in Stichpunkten, weil ihm die Finger fast abgefroren sind):
- Employee Central als Fundament. Ohne saubere Stammdaten wird jedes weitere Modul zur Baustelle.
- Module nach Bedarf wählen. Das eigene Prozessbild zählt mehr als der Katalog. Wer alles nimmt, was angeboten wird, verwaltet später Komplexität, die niemand braucht.
- Cloud oder Hybrid als Strategiefrage. Die Antwort liegt in Datenarchitektur und IT-Setup, weniger in aktuellen Trends.
- Skalierbarkeit und Schnittstellen mitdenken. Wenn heute schon klar ist, dass weitere Länder oder Systeme dazukommen, muss die Struktur das aushalten. Sonst baut man in zwei Jahren alles noch einmal um.
- Anforderungen vor Partner. Erst klären, wie Payroll, Stammdaten und Prozesse wirklich laufen. Danach den Partner auswählen. Sonst passt das Projekt zum Anbieter, aber nicht zum Unternehmen.
Alte Geschichten, neue Einsichten
Mandy nickt. „Hätte ich gleich mal die Xayambe angefunkt, hätte das meiner Crew viel Zeit gespart. Aber immerhin waren wir ja noch immer schneller als ihr, was Levi-Schätzchen?“
Sie lacht, ein Ton irgendwo zwischen Spott und echter Freude.
Bis auf Levaro, Priya und Maya lächeln alle. Korvo verfolgt mit unbewegter Miene das Gespräch.
„Wisst ihr eigentlich“, sagt Mandy und lehnt sich zu Falk, „dass Levaro und ich zusammen die Schulbank gedrückt haben?“
Falk schaut überrascht auf.
„Stadtschule auf Vega Prime. Ich saß zwei Reihen hinter ihm.“ Sie nimmt einen Schluck. „Ich hab ihm regelmäßig die Tinte umgefüllt, die Brotbüchse versteckt und seine Mütze in die Toilette baden geschickt.“
Levaro starrt wortlos ins Feuer.
„So zeigt man als Mädchen eben sein Interesse, oder?“ Mandy gähnt und streckt sich.
Priya schnaubt leise. „Da gibt’s aber bessere Methoden, wirklich.“
Korvos Mundwinkel zuckt für einen Augenblick. Maya schaut ihn aufmerksam an, doch er legt bereits ein Holzscheit nach und blickt unschuldig in die Glut.
Priya trinkt langsam, ihr Blick schweift erst zu Mandy, dann zu Levaro, schließlich bleibt er an Mandys Cocktailshaker hängen, der neben ihr im Geröll steht.
Captain Mandy steht schwerfällig auf, klopft sich den Staub ab und blickt zum Gipfel.
„Wie auch immer. Ein Stück habt ihr noch vor euch. Und der TRUDJDELIKUMKUMSAP4000 ist tückischer, als die meisten glauben. Die meisten gehen ja immer nur von optimalen Wetterbedingungen aus.“
Sie spricht den Namen des Berges aus, als hätte sie ihre Diplomarbeit über ihn geschrieben. Levaro starrt mit zusammengepressten Lippen auf seinen Rucksack.
„Ich geh mal schlafen. Für den Rückweg braucht’s Energie.“ Beim Vorbeigehen tippt sie Levaro mit ihrem Glas an. „Bis zum nächsten Klassentreffen, Levi. Und nimm den Berg diesmal ernster als die Mathe damals. Hier gibt es keinen Nachsicht-Bonus.“
Stunden später, als alle anderen in ihren Schlafsäcken eingerollt sind, ist Mandys Schnarchen das lauteste Geräusch auf dem Felsabsatz. Es übertönt zuverlässig zwei Dinge: Priya, die durch das Lager schleicht und Korvo, der abseits sitzt. Einer seiner Männer beugt sich zu ihm, hört kurz zu und nickt.
Kleine Rache mit großer Wirkung
Der Morgen ist grau und klirrend kalt.
Priya ist als Erste auf den Beinen und hängt den Wasserkessel über die Restglut.
Während die Crew ihre Sachen packt – Leo prüft Listen, Falk sichert das Messgerät, Maya faltet Schlafsäcke – schnarcht Mandy noch selig unter ihren Decken.
Die Gruppe geht los, ohne sich von ihr zu verabschieden.
Levaros Kopf hängt eine Idee tiefer als sonst.
Priya schließt zu ihm auf, hält ihm wortlos die Hand hin und zeigt ihm den glänzenden Deckel eines Cocktailshakers.
Levaro starrt den Deckel an, als wäre er ein verlorener Schlüssel, von dem er nicht mehr zu hoffen gewagt hatte, dass ihn jemand finden würde. Dann huscht ein Lächeln über sein Gesicht.
„Oh ha – das wird ein trockener Abstieg für die gute alte Mandy.“
Priya zwinkert ihm zu. „Sie haben hier am Berg etwas, das ihr fehlt: ein Team, das bleibt.“
„Danke, Priya.“
Levaro nimmt den Deckel und verstaut ihn mit einem zufriedenen Nicken in seiner Uniform. Mit frischem Elan schließen beide zur Crew auf – bereit für alles, was der TRUDJDELIKUMKUMSAP4000 noch für sie bereithält.
Logbuch, Ende (für heute)
Die AURORA-Crew macht sich auf den Weg, das Lager ist Geschichte, nur ein Hauch von Rauch bleibt zurück.
Mandy kehrt (mehr oder weniger) entspannt ins Tal zurück. Falks Messgerät blinkt beruhigend stabil. Und Levaro? Der trägt heute mehr bei sich als nur Ausrüstung – ein kleines Zeichen von Zusammenhalt.
Nur Korvo und seine Männer sind heute stiller als sonst.
Wann habt ihr in eurer Migration gemerkt, dass eine Entscheidung euch später Zeit oder Geld kosten wird? Und wer hat euch in dem Moment wirklich weitergeholfen?
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